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Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel "Wenn wir das Wohlstandsversprechen für alle in der Zeit der Digitalisierung einlösen wollen, dann bedeutet das: Wir brauchen eine Soziale Marktwirtschaft 4.0."
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Denkraum

Digitale Soziale Marktwirtschaft

Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten am Mittwoch beim „Denkraum Digitale Soziale Marktwirtschaft“ im Bonner Post Tower über eine zukunftsfähige Vision für Wirtschaft und Gesellschaft. Positiv, und wie er selbst sagt „mit großer Neugier“, blickt dabei Gastgeber Dr. Frank Appel, CEO, Deutsche Post DHL Group, in die digitale Zukunft und die sich verändernde Arbeitswelt. Durch die zunehmende Automatisierung beispielsweise werde es zwar zukünftig andere Jobs und Berufsbilder geben, aber insgesamt nicht weniger Arbeit. Denn in der Rückschau zeige sich, dass die These vom Ende der Arbeit keineswegs neu ist und auch in vergangenen Jahrzehnten bereits Konjunktur hatte. Für Appel ein wiederkehrendes Muster, bei dem gesellschaftliche Veränderungen negativ mit Verlusterwartungen behaftet sind, „weil oft noch die Fantasie fehlt, um sich die Dinge vorstellen zu können, die an Stelle des Alten neu entstehen.“

Bildung als Schlüssel für Teilhabe

Der Ansicht, dass der Mensch in der Arbeitswelt bald weitgehend durch Maschinen ersetzt werde, hält auch Dr. Marc Bovenschulte, Leiter des Instituts für Innovation und Technik in Berlin, das Paradigma einer befähigenden Digitalisierung entgegen. „Der Mensch bleibt das Maß der Dinge –zumindest für die nächsten Jahre“, so Bovenschulte. Dafür sei eine fortlaufende Qualifizierung notwendig. Dies könne als Aufgabe nicht allein in der Verantwortung des Einzelnen liegen, sondern bedürfe geeigneter staatlicher Rahmenbedingungen.

Differenziertes Meinungsbild: Welche Verantwortung hat der Staat?

Welche Rolle der Staat in der digitalen Transformation einnehmen müsse, dieser Frage gingen auf dem Podium auch Katja Suding, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, BDI-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Lang und Thomas Zander, Geschäftsführer des Sozialverbands VdK NRW nach. Im Publikum, das sich unter anderem mit Online-Abstimmungen aktiv an der Diskussion beteiligte, erfuhr die Förderung digitaler Bildung unter den zentralen Handlungsfeldern die größte Zustimmung – bestätigt von den Expertinnen und Experten. Mit dem Hinweis, „90 Prozent der deutschen Schulen sind noch nicht an schnelles Internet angebunden“, benannte Katja Suding demnach beispielhaft für das Bildungssystem den Handlungsbedarf der öffentlichen Hand. Eine Aufgabe, aus der sich für Thomas Zander aber weitere Verantwortung ableitet: „Wenn Schüler digital ausgestattet werden sollen, braucht es einheitliche Standards, damit nicht finanziell schwache Familien benachteiligt werden.“ Gewinne aus der Digitalwirtschaft gerechter umzuverteilen, ist gleichwohl nur für 13 Prozent der Denkraum-Teilnehmenden eine vordringliche Maßnahme. Wichtiger, um im digitalisierten Deutschland Wirtschaftswachstum und soziale Gerechtigkeit im Gleichgewicht zu halten, seien stärkere Investitionen in die digitale Forschung und Entwicklung. Konkret bedeute dies unter anderem: „Der Staat hat die Rolle, Investitionen in die Digitalisierung des Mittelstandes zu unterstützen“, wie Dr. Joachim Lang betonte.

Digitalisierung als Gestaltungsauftrag: Wer sind die relevanten Akteure?

Damit die Digitale Soziale Marktwirtschaft gelingt, müssen wir Geschwindigkeit aufnehmen, mahnte Bitkom-Präsident Achim Berg. Eine Meinung, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Denkraums vielfach teilten: Die entscheidenden Impulse kämen derzeit vor allem aus dem Ausland, zeigte sich rund die Hälfte der Anwesenden überzeugt. Die Bundes- und Landespolitik hingegen schnitt in der Einschätzung, wer in Deutschland überzeugende Lösungen für die digitale Transformation biete, besonders schlecht ab. Weniger als 4 Prozent attestierten den notwendigen Gestaltungswillen.

Denkraum Café

Was in Sachen Bildung, Innovation und Fehlerkultur, bei den neuen Fragen der sozialen Sicherung oder der Finanzierung des Gemeinwesens konkret zu tun ist, erörterten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend gemeinsam mit den Podiumsgästen an interaktiven Themenstationen: Brauchen wir eine Wertschöpfungsabgabe statt Einkommenssteuern? Ist ein bedingungsloses Grundeinkommen die Lösung? Müssen wir mehr Experimentierräume schaffen? Dabei zeigten de intensiven und kontroversen Diskussionen, die im Denkraum Café geführt wurden, eines in aller Deutlichkeit: Es gibt noch viel zu besprechen und zu verhandeln für eine Digitale Soziale Marktwirtschaft – in Deutschland und darüber hinaus. Denn entscheidend für das Gelingen sei, dass die Herausforderungen der Digitalisierung nicht nur national, sondern aus einer europäischen und immer auch internationalen Perspektive heraus angegangen würden, wie die Theologin Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer zum Abschluss herausstellte.

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Unsere Mitdenker

Heike Göbel

Tagesmoderation, Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, F.A.Z.

Dr. Helge Matthiesen

Tagesmoderation, Chefredakteur, General-Anzeiger Bonn

Dr. Hans-Peter Meister

Tagesmoderation, Gründer, IFOK, Mitglied des Gesellschafterausschusses

Holger Steltzner

Tagesmoderation, Herausgeber, F.A.Z.

Dr. Frank Appel

Vorstandsvorsitzender, Deutsche Post DHL Group

Achim Berg

Präsident des Digitalverbands Bitkom

Dr. Marc Bovenschulte

Mitglied des Leitungskreises des Instituts für Innovation und Technik, Berlin

Ulrich Kelber

MdB, Parlamentarischer Staatssekretär a.D., Ausschuss Digitale Agenda

Dr. Joachim Lang

Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Präsidiums, Bundesverband der Deutschen Industrie

Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer

Professorin für Christliche Gesellschaftslehre

Katja Suding

MdB, Stellv. Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion

Carolin Desirée Töpfer

Digitalstrategin, Gründerin und Tech Bloggerin

Thomas Zander

Landesgeschäftsführer, Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen e.V.

Veranstaltung am 11. Juli 2018 in Bonn