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#Denkraum

Ständige Erreichbarkeit ist digitaler Stress

Prof. Dr. Leonard Reinecke, Juniorprofessor für Publizistik

Digitale Technologien sollen unser Leben verbessern und erleichtern. Kann die Digitalisierung dieses Versprechen halten?

Sicherlich bringen neue Informations- und Kommunikationstechnologien ein großes Maß an Bereicherung und Autonomie mit sich. Mindestens im gleichen Maße wird jedoch unser Handlungsspielraum eingeschränkt. Die ständige Erreichbarkeit bedeutet, dass wir immer stärker mit Informations- und Kommunikationsanforderungen konfrontiert sind. Das Ergebnis ist digitaler Stress.

Was ist digitaler Stress und wie wird er ausgelöst?

Digitaler Stress entsteht zum einen durch die Masse an Informationen, die wir durch digitale Technologien erhalten. Wenn z.B. mehr Nachrichten auf uns hereinprasseln, als wir in dieser Situation verarbeiten können oder wir mehrere Medien gleichzeitig nutzen. Zum anderen gibt es auch psychologische Mechanismen. Dazu zählen sozialer Druck und die Erwartung, eingetroffene Nachrichten sofort zu beantworten, sowie die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, sobald man das Smartphone nicht ständig im Blick behält. Unsere Forschung zeigt auch, dass sich digitaler Stress negativ auf die Gesundheit auswirkt und das Risiko von Depressionen und Burnout erhöhen kann.

Ist digitaler Stress ein Phänomen, das vor allem die jüngere, internetaffine Generation betrifft?

Nominell gesehen ist die ältere Generation von digitalem Stress weniger betroffen, weil digitale Medien häufiger von jüngeren als von älteren Menschen genutzt werden. Allerdings sind digitale Geräte inzwischen in allen Altersgruppen der Gesellschaft verbreitet. Die Menschen, die das Internet und Smartphones nutzen, sind von digitalem Stress auch gleichermaßen betroffen. Unsere Forschung zeigt trotzdem interessante Altersunterschiede: sozialer Druck ist bei den 14-34jährigen ein stärkerer Treiber von digitalem Stress ist als bei Älteren, zugleich sind jüngere Nutzer aber besser darin, große Informationsmengen zu verarbeiten ohne davon gestresst zu sein.

Was bedeuten diese Erkenntnisse für den Umgang mit digitaler Kommunikation?

In unserem Privatleben können wir selbstbestimmt Freiräume schaffen, doch auch wenn das Smartphone aus ist, wirken die psychologischen Stressfaktoren oft weiter. Dann hilft es, Befürchtungen und soziale Erwartungen bewusst zu hinterfragen. Auch am Arbeitsplatz kann den Belastungen durch Kommunikationstechnologien entgegengewirkt werden. Entscheidend dafür ist eine Unternehmenskultur, die eine gesunde Work-Life-Balance ermöglicht sowie eine Kommunikationskultur, die vor Informationsüberlastung bewahrt. Aus gesellschaftlicher Sicht ist Digitalisierung ein relativ neuer Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Wir müssen die positiven wie die negativen Seiten betrachten und in einem gesellschaftlichen Aushandlungsprozess herausfinden, wie wir mit den neuen Technologien umgehen wollen. Hier stehen wir gerade erst am Anfang.

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