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Richard von Weizsäcker „Soziale Marktwirtschaft vollzieht sich nicht in Gesetzbüchern, sondern im Denken und Handeln der Menschen.“
#Denkraum

Nachhaltigkeit: Kein Ideen-, sondern ein Umsetzungsproblem

Prof. Hanns-Michael Hölz

Die Debatte nach der Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft ist eng mit der Frage verbunden, wie wir Wohlstand und gutes Leben auch für die kommenden Generationen ermöglichen können. Dafür braucht es ein Verständnis von Wohlstand, das über die ökonomische und materielle Sicht hinausgeht und die ökologische und soziale Dimension miteinschließt. Um Wohlstand in diesem Sinne zu sichern, muss Nachhaltigkeit zur Gestaltungs- und Handlungsgrundlage werden. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn dem Paradigma der Nachhaltigkeit mehr Raum gegeben wird und alle Akteure in Gesellschaft, Politik, Medien und Wirtschaft ihre Verantwortung für die nächsten Generationen wahrnehmen. Dabei ist festzustellen, dass wir kein Ideen-Problem, sondern ein Umsetzungs-Problem im Bereich Nachhaltigkeit haben. Anhand verschiedener Beispiele lässt sich diese These im Folgenden illustrieren.

In den vergangenen Jahren entstanden in vielen Bereichen Vereinbarungen zum nachhaltigen Wirtschaften und Handeln. Wichtiger als laufend neue Commitments zu schaffen, ist jedoch, dass Gesetze und eingegangene Verpflichtungen auch eingehalten werden. Diese sogenannte „Compliance“ spielt eine ganz wesentliche Rolle bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit. Bei aller betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit müssen z.B. beim Wechseln aus dem Vorstand einer AG in den Aufsichtsrat der gleichen Gesellschaft auch die Verpflichtungen eingehalten werden, die für solche Übergänge im German Corporate Governance Kodex definiert sind.

Ein weiteres Beispiel sind politische Verpflichtungen, die nur eingehalten werden können, wenn auf nationaler Ebene auch der politische Wille zur Umsetzung besteht. Für das Klimaabkommen von Paris bedeutet dies z.B. mit Blick auf Deutschland, Subventionen von Braun- und Steinkohle zur Energiegewinnung zurückzufahren und konsequent auf regenerative Energien zu setzen – politisch wie ökonomisch.

Mit der Zeichnung des UN Global Compact haben sich zahlreiche international agierende Großkonzerne zu einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Unternehmensführung verpflichtet. Dabei gilt es z.B. globale Nahrungsmittelkonzerne an ihre gesellschaftliche Akzeptanz und „license to operate“ zu erinnern, wenn es darum geht Wasserquellen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu privatisieren. Um eine privatwirtschaftliche „Ausbeutung“ zu Lasten der regionalen Bevölkerung zu vermeiden, sollte der Zugang zu Trinkwasser und Wasserquellen vielmehr ein globales Menschenrecht sein.

Auch innerhalb von großen Wirtschaftsunternehmen in Deutschland gibt es zahlreiche interne Policies und Überprüfungsprozesse im Aktionsfeld der Nachhaltigkeit – ob bei der Genehmigung von neuen Produkten oder der Aufnahme von Geschäften mit neuen Kunden. Diesen internen Corporate Governance Strukturen und Grundlagen von Compliance-Überprüfungen muss noch stärker zum Durchbruch verholfen werden. Nachhaltigkeit erhält hierdurch die notwendige wirtschaftliche Relevanz.

Zahlreiche weitere Themenfelder und Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt hat die Bundestags-Enquete Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ in ihrem Schlussbericht dokumentiert, an dem der Autor mitgewirkt hat.

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