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#Denkraum

Interkulturelle Brücken bauen

Johanna Margarethe Reiß, Studentin der Zeppelin Universität, Stipendiatin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, ehemalige weltwärts-Freiwillige

„Strukturelle Reformen allein reichen nicht aus, um das Bildungssystem fit für eine globalisierte Welt zu machen. Offenheit für Neues, Flexibilität und Verständnis für unterschiedliche Perspektiven werden in einer vernetzten und globalisierten Welt immer wichtiger.“ Dies war das Fazit der Teilnehmer_Innen des Denkraums Globalisierung, der am 2. Juni in Leipzig stattfand.  Soweit so gut, nur scheint eine zentrale Frage unbeantwortet - die des Wies.

Das Potenzial interkultureller Lernerfahrungen

Wie kann Offenheit gelernt, wie ein Verständnis über diverse Perspektiven gewonnen werden, welches globale Unterschiedlich- oder Unterscheidbarkeiten als Grundlage einer neuen Zusammenarbeit begreift? Keine finale, aber eine mögliche Antwort stellen interkulturelle Lernerfahrungen dar. Während sie Lernende nicht selten herausfordern, gar überfordern, sind sie gleichzeitige Einladung und wertvolle Möglichkeiten der (Selbst-)Reflexion. Denn erst im Spiegel des Anderen kontextualisiert sich im ursprünglichen Zusammenhang erworbenes Wissen. Gewohnte Denkmuster und Haltungen werden erkenn- und hinterfragbar, ein Verständnis der eigenen Identität beginnt zu erwachsen.

Brückenbauen beginnt im Kopf

Im Rahmen des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts und von der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie ins ländliche Südindien entsandt, erhielt ich vor fünf Jahren selbst die Chance, eine solche Erfahrung zu machen. Als interkulturelle Brückenbauerin verbrachte ich den achtmonatigen Lerndienst in einer lokalen Nichtregierungsorganisation für Bildung und soziale Entwicklung, teilte den Alltag einstiger Kinderarbeiter_Innen und unterstützte die Organisation in ihren vielseitigen entwicklungspolitischen Programmen. Dabei lernte ich nicht nur über soziale Ungleichheiten und globale politische und wirtschaftliche Zusammenhänge, sondern – und vor allem – die Unterschiedlichkeit von Perspektiven kennen und schätzen.

Der Umgang mit dem blinden Fleck

Der österreichische Physiker und Philosoph Heinz von Förster zeigt auf, warum es genau diesen Perspektivwechsel braucht. „Wir als Teilnehmer und mitspielendes Element in einem großen globalen, universalen Netzwerk sind Teil der Verhältnisse, die wir beschreiben.“ Dabei sehen wir nicht, mit welchem Blick wir dies tun. Von Förster verweist auf die örtliche Blindheit der Retina, die sich im Experiment des Blinden Flecks zeigt. Das, was die Netzhaut an der Stelle, an dem sie der Sehnerv verlässt, nicht abbilden kann, sehen wir nicht. Während wir – vorerst – nicht sehen, dass wir es nicht sehen.

Doch wie mit dem blinden Fleck umgehen? Die Antwort so kurz wie bedeutend: Durch Dialog. Im Dialog mit einem Gegenüber, dessen Blick und Beschreibung ebenjener Verhältnisse ein anderer ist, lernen wir, auf welche Art und Weise wir diese wahrnehmen - und dass es etwas gibt, das wir nicht gesehen haben, gar nicht sehen konnten.

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