Menü

Login

Login-Passwort zurücksetzen

Sie können jetzt Ihr Passwort zurücksetzen. Ihr neues Passwort wird an die angegebene E-Mailadresse gesendet.

Passwort wurde zurückgesetzt. Sie erhalten in Kürze eine E-Mail mit Ihrem neuen Passwort.

#Denkraum

Globalisiertes Deutschland: Mehr Gewinner als Verlierer

Jürgen Matthes, Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Der Protektionismus ist weltweit auf dem Vormarsch und droht das deutsche Wirtschaftsmodell zu gefährden. Wie die kontroverse TTIP-Debatte gezeigt hat, ist die Globalisierungsskepsis auch hierzulande groß. Und das obwohl Deutschland als sehr handelsoffenes Land mit seiner starken Exportorientierung besonders von den internationalen Absatzmärkten profitiert. Als Ausrüster der sich industrialisierenden Schwellenländer hat die deutsche Wirtschaft seit der Jahrtausendwende sehr stark an dem dynamischen Investitionszyklus in den Emerging Markets partizipieren können. 

Auch die gestiegene internationale Vernetzung der Unternehmen auf der Produktionsseite im Zuge des Offshoring und globaler Wertschöpfungsketten nutzt der deutschen Wirtschaft. Denn durch eine stärkere internationale Arbeitsteilung sowie durch die Nutzung von komparativen Vorteilen und Skaleneffekten gewinnt sie an Wettbewerbsfähigkeit. 

Doch neben dem Exporterfolg liegen die Vorteile der Globalisierung vor allem darin, dass Verbraucher durch niedrigere Preise und eine bessere Auswahl von der internationalen Arbeitsteilung profitieren können. So sind die Importpreise hierzulande seit der Wiedervereinigung mit insgesamt knapp 5 Prozent kaum gestiegen, während die Preise privater Konsumausgaben zwischen 1991 und 2015 um über 41 Prozent sehr viel deutlicher zugelegt haben. Für einen Herrenanzug oder ein Paar Damenpumps muss ein deutscher Durchschnittsverdiener heute rund ein Drittel weniger lange arbeiten als 1991. 

Viele Studien belegen die Vorteile der Globalisierung und der internationalen Vernetzung für Wachstum und Wohlstand. Aber mehr Produktivität und Innovation kommen zum Teil gerade dadurch zustande, dass die Globalisierung im Zuge einer sich verändernden Spezialisierung bestehende Wirtschaftsstrukturen in Frage stellt. 

Studien für Deutschland zeigen, dass die Wirtschaft dabei insgesamt gewinnt und es mehr Gewinner als Verlierer gibt. Allerdings werden auch länger anhaltende Verlierer identifiziert – sei es unter Regionen, die auf weniger anspruchsvolle Industrieprodukte spezialisiert waren oder unter (vor allem geringqualifizierten) vormaligen Industriebeschäftigten, die starkem Importdruck aus China und den MOE-Staaten ausgesetzt waren. 

Die Antwort darauf darf aber nicht Protektionismus heißen. Vielmehr muss die Wirtschaftspolitik dafür sorgen, dass die globalisierungsbedingten Anpassungsprozesse abgefedert und Verlierer soweit wie möglich kompensiert werden. Ein progressives Steuersystem, verlässliche und aktivierende Transferleistungen für Arbeitslose und vor allem eine verbesserte Bildung entlang aller Altersstufen sind dafür zentrale Ansatzpunkte. In Deutschland gibt es auch noch Verbesserungsbedarf. Doch gelingt diese Herausforderung hier deutlich besser als in den USA mit einer nur rudimentären sozialen Absicherung.

Teilen