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#Denkraum

Gerechte Globalisierung ist keine nationale Frage

Prof. Dr. Rolf J. Langhammer, Institut für Weltwirtschaft Kiel

Was, wenn Globalisierung in Deutschland gerecht wäre? Die Frage erinnert an Lichtenbergs Aphorismus: „Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll“. Sie muss letztlich unbeantwortet bleiben, denn Globalisierung ist ein Prozess, „gerecht“ aber ein Status. Vielleicht kann Globalisierung in Deutschland vorübergehend gerechter im Sinne von mehr Chancengerechtigkeit gestaltet werden, aber dies würde vernachlässigen, dass Gerechtigkeit und Globalisierung nicht auf ein Land reduziert werden können. Beide sind nicht durch nationale Grenzen teilbar. Was hülfe es, im Globalisierungsprozess mehr Chancengerechtigkeit in Deutschland zu erreichen, wenn dies an den Problemen in den ärmsten Ländern vorbeiginge? Dass diese Gefahr besteht, darauf hat der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Eric Maskin hingewiesen.

Globalisierung kann dazu führen, dass die am wenigsten qualifizierten Arbeitskräfte in Entwicklungsländern abgehängt werden, während die besser Qualifizierten Anschluss an die Märkte der Industrieländer gewinnen, sei es über Handel mit Gütern, in die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten eingehen, sei es, dass sie in die fortgeschrittenen Länder einwandern und dort nur allein aufgrund der besseren Rahmenbedingungen Einkommensgewinne erzielen. Bessere Qualifikation bedeutet letztlich mit modernen Technologien umgehen zu können. Wer davon ausgeschlossen ist, fällt zurück. 

Die treibende Kraft hinter Gerechtigkeitsdefiziten sind daher Unterschiede im Zugang zu modernen Technologien und nicht die Globalisierung, die in seinem traditionellen Kern, dem Güterhandel, in den letzten Jahren bereits an Dynamik eingebüßt hat. Das größte Risiko tragen dabei die Entwicklungsländer, denn hier sind die meisten Arbeitsplätze im arbeitsintensiven verarbeitenden Sektor durch Digitalisierung und Automatisierung gefährdet. In einem fortgeschrittenen Land wie Deutschland spielt dieser Sektor schon lange nicht mehr die entscheidende Rolle in der Beschäftigung.  Er hat sie an den Dienstleistungssektor verloren. Hier kommt es darauf an, die großen sozial geprägten Unterschiede im Zugang zur Digitalisierung der Dienstleistungsproduktion einzuebnen. So wie immer noch der Bildungsstand der Eltern die Bildungschancen der Kinder bestimmt, ist es auch beim Zugang zu digitalen Technologien. Sind die Eltern damit vertraut, lernen es auch die Kinder schnell. Daher müssen die bildungsfernen Bevölkerungsschichten von frühester Kindheit an bevorzugt an diese Technologien herangeführt werden. Dies würde zu mehr Chancengerechtigkeit führen.

Die der Globalisierung zuzurechnende Gerechtigkeitslücke täte sich aber weiterhin in den Entwicklungsländern auf, denn hier käme es zu einem extrem scharfen Verdrängungswettbewerb zwischen den Ländern, um den technologisch bedingten Verlust von Arbeitsplätzen so lange wie möglich durch Kostensenkungen bei den alten Technologien aufzuhalten. Es wäre pharisäerhaft, vor diesem Wettbewerb in Deutschland die Augen zu verschließen und sich mit heimischen Erfolgen in mehr Chancengerechtigkeit beim Erwerb von Technologiekenntnissen zufrieden zu geben. Die eigentlichen Herausforderungen an mehr Chancengerechtigkeit im Zusammenhang mit der Globalisierung liegen jenseits deutscher Grenzen.

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